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Anatoly Moskvin – Der Herr der Mumien

Anatoly Moskvin, russischer Akademiker, Intellektueller, Sprachwissenschaftler, Nekrophiler. Nicht der alltägliche Serienmörder, eigentlich gar kein Mörder, nur mit einer etwas bizarren Vorliebe für in Puppen genähte Leichen.

„Natürlich haben wir die Puppen gesehen. Wir haben uns nichts dabei gedacht und nicht damit gerechnet dass Leichen darin eingenäht sind. Wir dachten es sei sein Hobby, diese großen Puppen zu nähen und sahen daran nichts Falsches.“ 

Anatoly Yurevych Moskvin

Anatoly Yurevych Moskvin ist ein intelligenter Mensch. Gebildet, spricht 13 Sprachen, ist weit gereist und angesehen in akademischen Kreisen. Außerdem ist er noch selbst-erklärter Experte für Friedhöfe mit einer ungesunden Faszination für den Tod. Laut eigener Aussage war der Grundstein für diese ungesunde Faszination die Beerdigung einer 11jährigen, bei der man ihn angeblich zwang, das verstorbene Mädchen zu küssen. In einem selbst verfassten Artikel schildert Anatoly, wie eine Gruppe Männer in schwarzen Anzügen ihn auf dem Nachhauseweg von der Schule abfing, ihn zum Sarg der 11 Jahre alten Natasha Petrova zerrte und ihn zwang, ihre Leiche zu küssen.

„Ich küsste sie einmal, dann noch einmal, dann noch einmal“. Die trauernde Mutter des Mädchens steckte anschließend einen Ehering an Anatolys Finger, den zweiten Ring bekam Natasha im Sarg und somit war der Bund besiegelt. Das war 1979, Anatoly damals 13 Jahre alt.

2011 wurde Moskvin festgenommen. Er hatte sein Hobby zu weit getrieben. In den 30 Jahren vor seiner Festnahme war er viel herum gewandert, legte Tagesmärsche bis zu 30 Kilometer zurück, schlief in Schuppen, verlassenen Bauernhöfen oder einem der Friedhöfe, die er besuchte. Er lebte gemeinsam mit seinen Eltern in einer Wohnung, trank keinen Alkohol, nahm keine Drogen, hatte keine Beziehungen oder sexuellen Kontakte zu anderen Menschen.

Anatoly studierte Keltologie. Eine Wissenschaft, die sich mit der Sprache, Kultur und Geschichte keltischer Völker auseinandersetzt. Allein zwischen 2005 und 2007 will er 752 Friedhöfe besucht haben. Er schrieb eine Dokumenetarreihe über seine Reisen – „Schöne Spaziergänge auf Friedhöfen“ und „Was die Toten sagten“, veröffentlicht in einem Wochenmagazin.

2009 begannen die Hinterbliebenen nach und nach festzustellen, dass Gräber verstorbener Angehöriger geschändet waren – oft komplett aufgegraben. Anfangs gingen die russischen Behörden davon aus, dass es sich dabei um eine Gruppe von Extremisten handelte. Der Sprecher des russischen Innenministeriums gab an, man hätte die erfahrensten Ermittler des Landes zu einer Sondereinheit zusammengezogen, um den Extremisten auf die Schliche zu kommen – aber jede Spur führte ins Leere. 2 Jahre ermittelte man erfolglos in alle Richtungen, währenddessen wurden weiter munter Gräber geschändet und geöffnet und niemand konnte sich erklären warum. 2011 schließlich ging Moskvin der Polizei ins Netz. Nach einem Terroranschlag auf den Domodedovo Flughafen in Moskau bekamen die Ermittler Berichte über die Schändung muslimischer Gräber auf dem Friedhof in Nizhny Novgorod auf ihren Tisch. Man führte sie zu Gräbern auf denen jemand die Bilder verstorbener Moslems übermalte – sie aber ansonsten nicht weiter beschädigte. So wurde Anatoly Moskvin letztendlich erwischt. 8 Polizisten machten sich auf den Weg in seine Wohnung, Was sie dort fanden, ist wohl nicht nur für Russland einzigartig.

Der damals 45jährige teilte sich eine kleine Wohnung mit seinen Eltern. Über die ganze Wohnung verteilt fanden die Polizisten lebensgroße selbstgemachte Puppen. Hübsch und abwechslungsreich angezogen, mit kniehohen Stiefeln. Hände und Gesicht in Stoff eingenäht, Makeup auf die mit Stoff überzogenen Gesichter aufgetragen.

Die Puppen

Die Puppen waren allerdings nicht – wie üblicherweise – befüllt mit Stoff, sondern mit den mumifizierten Überresten von 29 verstorbenen Mädchen im Alter zwischen 3 und 25 Jahren. Viele der „Puppen“ hatten eine Music Box in den Oberkörper eingearbeitet, so dass sie Musik machten, wenn man sie bewegte. In manche Mumien waren persönliche Gegenstände der Verstorbenen eingenäht, auch mal ein Teil des eigenen Grabsteins oder ein ausgetrocknetes menschliches Herz. Als Augen bekamen die Puppen Knöpfe, damit sie die Cartoons im TV sehen konnten.

Nach eigenen Angaben liebte Moskvin die meisten seiner „Mädchen“. Nur die in der Garage nicht, die wurden ihm mit der Zeit unsympathisch. Ersatz war ja reichlich vorhanden. Anatoly Moskvin sagte den Ermittlern er hätte das alles getan, weil er sich einsam fühlte. Er wünschte sich Kinder – dieser Wunsch wurde ihm von den russischen Behörden nicht erfüllt, da sein Gehalt nicht angemessen war.

 

Also besorgte er sich die Leichen verstorbener Mädchen um sie mit einer Mischung aus Salz und Backpulver zu mumifizieren, bis die Wissenschaft einen Weg gefunden hätte, Tote ins Leben zurückzuholen. Die Geburtstage seiner Puppen wurden gefeiert als wären sie seine eigenen Kinder. Moskvins Eltern gaben an, von alledem nichts bemerkt zu haben.Natürlich wusste man von den Puppen, nicht aber, dass darin echte Tote steckten. Sie hielten das Basteln von Puppen für ein seltsames Hobby, dachte sich aber nichts weiter dabei.

Seine Eltern

Schwer vorzustellen, die älteste Puppe besaß Moskvin über 9 Jahre. Nachbarn bezeichnen Anatoly und seine Eltern als ruhige, nette Menschen. Natürlich habe man einen strengen Geruch wahrgenommen, wenn jemand die Wohnungstür öffnete, man schob es aber auf etwas Verrottendes im Keller, keine Seltenheit in russischen Bauten, und dachte sich nichts weiter dabei. Vor Gericht bekannte sich Anatoly Moskvin in 44 Fällen der Grabschändung und Totenschändung schuldig. Den Angehörigen der Verstorbenen sagte er „Ihr habt eure Mädchen verlassen. Ich habe sie nach Hause gebracht und sie aufgewärmt.“ Moskvin wurde mit Schizophrenie diagnostiziert und in eine Psychiatrie eingewiesen. Im September 2018 wurde er von dort entlassen und darf nun seine Therapie von zu Hause aus beenden.

Anatolys Eltern leben isoliert und ausgestoßen von der Gesellschaft. Seine Mutter wollte sich gemeinsam mit ihrem Ehemann das Leben nehmen, der war mit diesem Plan jedoch nicht so ganz einverstanden. Psychologen bescheinigen Anatoly eine „günstige Prognose“ und sehen eine Besserung seines psychischen Zustandes. Ermittler sehen das anders und sind der Meinung, Moskvin gehöre lebenslang in eine Zelle. Moskvin hatte den Beamten erklärt, sie müssten seinen Puppen nicht allzu tief beerdigen, er würde sie ohnehin bald wieder ausgraben.

Quelle: Anatoly Moskivn – Der Herr der Mumien

Bilder: Anatoly Moskvin – The Russian Grave-Robbing Historian

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