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Famadihana – Der Totenkult auf Madagskar

Bei westlichen Bestattungstraditionen gibt es keinen physischen Kontakt zu den Toten, denn wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann bringt man den Körper zum Bestatter und verabschiedet sich am Grab. Niemand wäscht sein totes Familienmitglied, zieht es schick an und transportiert es eigenständig zum Begräbnis. Heutzutage wird es sogar als Grabschändung angesehen, wenn man den Leichnam aus dem Grab entfernt. Man geht davon aus, dass sich der Körper selbstständig in der Erde zersetzen kann. In Madagaskar wird das allerdings anders gehandhabt. Hier sieht man es als Chance, die Leiche eines Menschen zu besuchen, ihm Respekt zu zollen und mit ihr zu feiern.

Famadihana

Das madagassische Volk hat eine Bestattungstradition, die allen Unannehmlichkeiten mit toten Körpern trotzt. Wenn jemand stirbt, wird der Körper von Familienmitgliedern in ein Tuch gewickelt. Der Name des Verstorbenen wird auf das Tuch geschrieben, damit er in Erinnerung bleibt. Aber das ist nicht das Letzte, was Trauernde von ihren verstorbenen Angehörigen sehen werden.

Ähnlich wie bei der Pflege einer Grabstätte kehren die Madagassen in regelmäßigen Abständen zu den Körpern ihrer Vorfahren zurück, um Leichen auszupacken, die Schutzhüllen zu besichtigen und wieder aufzufrischen. Bei diesem Brauch, bekannt als Famadihana, werden die Leichen der Verstorbenen alle fünf bis sieben Jahre von ihren Familienmitgliedern exhumiert. In dem Glauben, dass die Toten erst dann wieder mit ihren Vorfahren vereint sind, wenn sie vollständig zersetzt sind, wird der Körper solange wieder erneuert, bis von ihm nur noch Knochen übrig sind.

Es ist keine düstere Angelegenheit, denn die Zeremonie hat eine fröhliche Atmosphäre. Man singt, tanzt und trinkt, um die Stimmung aufrecht zu erhalten. Die Madagassen tragen die Leichen ihrer Vorfahren auf den Schultern und tanzen mit den Toten. Emotionen sind eine Mischung aus Trauer und Feier. Viele freuen sich ihre Lieben wiederzusehen, andere sind neugierig darauf Vorfahren zu treffen, die sie nie lebend getroffen haben. Die in jüngerer Zeit Verstorbenen werden zum ersten Mal in einem Zustand der Verwesung von Angehörigen gesehen.

Ein Zeichen von Respekt

Das Auffrischen der Gräber der Ahnen ist ihre Art, die Erinnerungen der Angehörigen am Leben zu erhalten und Respekt zu zeigen. Familien, deren verstorbene Vorfahren sich ein Grab teilen, koordinieren ihren Wickeltag und halten die gemeinsam geplante Veranstaltung zusammen. Diejenigen, die lange nach dem Tod ihrer Vorfahren geboren wurden, haben die Möglichkeit diese während der Zeremonie zu treffen. Es ist ein Ritual, das Generationen durch seinen Respekt vor denen verbindet, die zuvor gekommen sind. Es gibt den Toten auch die Möglichkeit, sich mit ihrer Umgebung vertraut zu machen.

Entwickeln, Färben und Tod

Diese Verbindung von Geschichte und Tod ist eine relativ neue Tradition, die erst im 17. Jahrhundert begann. Madagassische Famadihana-Zeremonien scheinen allerdings ausgestorben zu sein. Obwohl die katholische Kirche gegen diese Form der Gedenkfeier keine Einwände mehr erhebt, haben religiöse Missionare versucht, die Praxis zu vernichten. Viele moderne Madagassen glauben jetzt, dass die Praxis veraltet ist.

Es wird vermutet, dass das Zusammenbringen mit Leichen die Pest von den Toten auf die Lebenden übertragen kann. Im Allgemeinen stellen Tote eine geringere Gesundheitsgefährdung dar als Lebende, aber diejenigen, die an der Pest gestorben sind und begraben wurden, können die Krankheit an Vorfahren weitergeben, die sie exhumieren.

Die madagassische Regierung hat sogar Vorschriften erlassen,  dass die Leichen der Pestopfer nicht in Gräber gelegt werden dürfen, die wieder geöffnet werden können. Allerdings haben die lokalen Medien mehrere Fälle gemeldet, in denen solche Leichen im Verborgenen exhumiert wurden.

Quelle:

https://www.thecrowdedplanet.com/dancing-dead-famadihana/

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